Konzept

 

Inhalt:

 

1. Standortanalyse

Das Familienzentrum am Sedansberg

Die Kooperationspartner, die das Familienzentrum mittragen, sind an verschiedenen Standorten Wuppertals und im gesamten Stadtgebiet mit sozialen Angeboten in der Familien-, der Kinder- und Jugendarbeit vertreten. Nach sorgfältiger Analyse der örtlichen und strukturellen Gegebenheiten fiel die Wahl für den Standort eines Familienzentrums auf den Bezirk Sedansberg. Dazu trugen mehrere Gründe bei:

  1. Der Sedansberg ist ein innenstadtnahes Gebiet in Wuppertal-Barmen mit ca. 11.000 Einwohnern. Mit einem Ausländeranteil von 17,3% und einem, ge­messen am Gesamt-Stadtgebiet, überdurchschnittlich hohen Anteil an auslän­dischen Kindern (23,8 Prozent aller Kinder unter 6 Jahren) und Jugendlichen erfordert dieses Quartier eine erhöhte Aufmerksamkeit. Demgegenüber steht ein Mangel an adäquaten Angeboten zur Unterstützung von Familien. Der Sedansberg gehört zu den Quartieren, in denen überdurchschnittlich viele Personen von staatlichen Hilfen leben (16 % Empfänger von Arbeitslosengeld I bzw. II oder Sozialgeld).
  1. Die Kooperationspartner sind mit verschiedenen Angeboten seit Jahren im Quartier vertreten und mit den Strukturen vertraut. Der Netzwerkgedanke spielt dabei eine wichtige Rolle im gemeinsamen Bemühen um eine Verbesserung der Situation von Familien, Kindern und Jugendlichen.
  1. Gemeinsam stellen die Kooperationspartner ein erprobtes Potential dar, das insgesamt und in vielen Einzelaspekten auf die speziellen Bedarfe in dem Wohnquartier am Sedansberg zugeschnitten ist. In diesem Sinne sehen sich die für das Familienzentrum zusammenarbeitenden katholischen Träger ausdrücklich in einer Verantwortungspartnerschaft mit der definierten Aufgabe, offen für alle Familien im Wohnquartier Sedansberg zu sein.

Die beteiligten Verantwortungspartner verstehen ihre Angebote als Ergebnisse eines dynamischen Prozesses. Evaluation und regelmäßige Bedarfsanalysen ermöglichen, dass unter dem gemeinsamen „Dach“ eines Familienzentrums am Sedansberg Angebote weiterentwickelt, der Netzwerkgedanke ausgebaut und die Kommunikation mit den Bewohnern des Sedansbergs intensiviert werden. Damit erreicht das Familienzentrum am Sedansberg eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und ermöglicht eine tatsächliche Verbesserung der Lebenswirklichkeit für Familien, Kinder und Jugendliche im Wohnbezirk Sedansberg.

 

 
2. Leitbild und Auftrag

Das Familienzentrum am Sedansberg ist ein Zusammenschluss von katholischen Kooperationspartnern (Kirchengemeindeverband Barmen-Nordost, Stadtdekanat Wuppertal, Caritasverband Wuppertal/Solingen e.V., Kath. Familienbildungsstätte, Kath. Beratungsstelle für Ehe, Familien- und Lebensfragen, Sozialdienst Katholischer Frauen e.V. Wuppertal, Kath. Jugendfachstelle Wuppertal), die im gesamten Stadtgebiet Wuppertal in der Jugendhilfe und Familienhilfe und mit gezielten Angeboten im Quartier Sedansberg tätig sind.

Hintergrund dieses Tätigseins ist der Gedanke eines gemeinsamen Netzwerkes, der darauf gründet, dass alle katholischen Träger in definierter Verantwortungs-bereitschaft sind. D.h. alle verpflichten sich, die Aufgaben kooperativ, mit gegenseitiger Unterstützung zu bewältigen und im Sinne des christlichen Menschenbildes für die Familien tätig zu sein.

Diese Angebotspalette erarbeiten sie auf der Grundlage bedarfsorientierter Themen. Damit wird der Netzwerkgedanke durch die Kooperationspartner umgesetzt und für die Bewohner/innen des Stadtteils „erlebbar“ gemacht.

Die Kernleistungen liegen im Bereich der frühkindlichen Bildung, in der Tagespflege, in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, in der Sprachförderung und in interkulturellen Aktivitäten.

 


3. Angebotsstruktur

Das Familienzentrum ist ein Angebot für alle Menschen am Sedansberg - unabhängig von Nationalität, Religion, Geschlecht, gesellschaftlichem Ansehen, Einkommen und Alter. Die Kooperationspartner betreuen Kinder und Jugendliche, beraten Eltern und Angehörige und unterstützen sie in allen Alltagsfragen. Sie respektieren die individuelle Persönlichkeit der Menschen.

Ein wesentliches Merkmal des Familienzentrums am Sedansberg ist die Niederschwelligkeit, die sich u. a. in unbürokratischen und schnellen Hilfen, in familienfreundlichen Öffnungszeiten sowie in Anonymität und Vertraulichkeit ausdrückt. Die Kindertageseinrichtung St. Marien stellt als Portal für das Familienzentrum gemeinsam mit den Kooperationspartnern sicher, dass Familien regelmäßig kompetente Ansprechpartner antreffen. Durch das niederschwellige Angebot werden auch Personen erreicht, denen die Hürde einer Kontaktaufnahme zu Behörden zunächst zu hoch erscheint.

Die Träger laden die am Sedansberg lebenden Familien mit einem breit gefächerten Angebot zu Kommunikation und kulturellem Austausch ein. Sie unterstützen Eltern durch innovative Angebote bei der Kinderbetreuung und entlasten in Krisen-situationen. Das Selbsthilfepotential der Familien wird im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe gestärkt. Ziel dieser Arbeit ist es, Familien in einem Klima gegenseitigen Vertrauens zu ermutigen, Verantwortung füreinander und für ihr Umfeld zu übernehmen. Für Kinder wird ein Lebensumfeld geschaffen, das unter Aspekten der körperlichen und seelischen Gesundheit, der Persönlichkeitsentwicklung und Bildung Chancengleichheit und Zukunftsfähigkeit möglich macht.

Durch die Vernetzung der vorhandenen Hilfeangebote wird eine höhere Transparenz für Familien erreicht. Viele Angebote, für die Familien bisher weite Wege zurücklegen mussten, werden am Sedansberg in der Kindertageseinrichtung St. Marien gebündelt. Diese Bündelung von Ressourcen schafft Vertrauen in das Familienzentrum am Sedansberg und fördert die Identifikation mit diesem. Die bestehenden und erweiterten Hilfeangebote orientieren sich am Bedarf der Anwohner/innen. So sind zum Beispiel die Erziehungsberatung und der Migrationsdienst der Caritas, die Katholische Familienbildungsstätte oder die Ehe,- Familien- und Lebensberatung auf dem Sedansberg anzutreffen. Sie bieten Kurse an, rufen Diskussionskreise ins Leben oder führen gesellige Veranstaltungen durch.

Das Familienzentrum will Familien frühzeitig erreichen, um möglichen Konflikten und/oder Problemen vor Ort vorzubeugen. Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt die Leitung des Familienzentrums an folgenden Treffen teil:

  • Stadtteilkonferenz Sedansberg (alle 3 Monate)
  • Kooperationstreffen mit den Grundschulen im Quartier (3 mal im Jahr)
  • Austauschtreffen der 3 Kooperationspartner vor Ort (SKF, A-Meise, Kita ), die Arbeit wird weiter ausgeführt und ausgewertet (alle 4 Wochen)
  • gemeinsame Veranstaltungen der 3 Kooperationspartner vor Ort
  • Austausch mit anderen Familienzentren

So stellt das Familienzentrum ein präventives Angebot im Stadtteil dar.

 


4. Zusammenarbeit

Das Konzept der Vernetzung des Familienzentrums Sedansberg sieht zwei Arbeitsgruppen vor.

4.1. Großgruppe

Die Kooperationspartner des Familienzentrums am Sedansberg treffen sich zweimal jährlich. An dieser Sitzung nehmen die Leiter/innen der Institutionen, bzw. entsprechende Vertreter teil. In Einzelfällen auch mehrere Mitarbeiter, wenn sie direkt vor Ort eingebunden sind. Über die gemeinsamen Sitzungen werden Protokolle angefertigt.

Mitglieder:

  • Der Pfarrer des Kirchengemeindeverbandes Barmen-Nordost
  • Kirchenvorstand der Gemeinde St. Marien
  • Die Leiterin des Familienzentrums Sedansberg
  • Caritasverband Wuppertal / Solingen
  • Mehrgenerationenhaus / A - Meise
  • Sozialdienst katholischer Frauen
  • Treffpunkt für Alleinerziehende / Trennungs- und Scheidungsberatung (SKF)
  • Kath. Familienbildungsstätte
  • Kath. Jugendfachstelle Wuppertal
  • Kath. Ehe-, Familien- und Lebensberatung

Aufgaben:

  • Persönlicher Austausch aller Beteiligten
  • Prüfung und Entscheidung der Vorschläge der Steuerungsgruppe
  • Erteilung von Arbeitsaufträgen an die Steuerungsgruppe

Die Mitglieder sind Multiplikatoren für die angeschlossenen Einrichtungen.

4.2 Steuerungsgruppe

Zur Optimierung der Prozesse hat die Gruppe der Kooperationspartner eine
Steuerungsgruppe eingesetzt, die einmal im Quartal tagt.

Mitglieder:

  • Caritasverband Wuppertal / Solingen e.V.
  • Kath. Kita Hühnerstraße, Gemeinde St. Marien
  • Kath. Familienbildungsstätte
  • Sozialdienst kath. Frauen e.V., Wuppertal
  • Kath. Ehe-, Familien- und Lebensberatung

Aufgaben:

Die Steuerungsgruppe hat den Auftrag, den Prozess der Entwicklung der kath. Kindertagesstätte Hühnerstraße zum Familienzentrum am Sedansberg in besonderer Weise zu beobachten, zu begleiten und zu unterstützen. Sie bündelt Anfragen an die beteiligten Kooperationspartner, greift Anregungen zur Arbeit des Familienzentrums auf, erarbeitet Vorschläge zu Methodik und Konzeptfortschreibung, entwickelt Beschlussvorlagen und legt sie der Trägergruppe zur Entscheidung vor. Wünsche, Anregungen oder Kritik von Anwohnern und Eltern werden in die Planungsarbeit mit einbezogen.

 


5. Leistungen

Die beteiligten Träger fühlen sich einem christlichen Welt- und Menschenbild verpflichtet. Daraus ergeben sich Ziele, die mit der Vernetzung zum Familienzentrum am Sedansberg in verantwortungspartnerschaftlicher Zusammenarbeit verfolgt werden:

  • Partizipation an Entscheidungen im Stadtteil
  • Wertevermittlung
  • Abbau sozialer Benachteiligungen
  • Möglichkeit zur Begegnung und Kommunikation
  • Entwicklung von Toleranz
  • Entwicklung eines friedlichen sozialen Miteinanders
  • Möglichkeit zur Bildung
  • Modellhaftes Lernen im Sinne einer Prävention
  • Verbesserung der Durchlässigkeit der sozialen Schichten
  • Förderung von Familien
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie
  • Hilfen bei der Entwicklung von Erziehungs- und Handlungskompetenz
  • Hilfe zur Selbsthilfe
  • Frühwarnsystem

Folgende Leistungen werden angeboten:

  • Vermittlung von Tagespflege
  • Babysittervermittlung
  • Kinderbetreuung auch außerhalb üblicher Öffnungszeiten
  • Sprachförderung für Kinder
  • Migrations- und Integrationsförderung
  • Elternbildung, Ernährungs- und Gesundheitserziehung in der Familie
  • Freizeit- und Ferienangebote für Kinder und Jugendliche, Freizeit- und Erholungsangebote für Familien
  • Elterninfoabende und persönliche Beratung zu Erziehungsfragen und bei Trennung und Scheidung in der Kindertageseinrichtung
  • Beratung und Gesprächskreis zu Partnerschafts- und Lebensfragen auch für Eltern mit Migrationshintergrund

Ehrenamtliche und freiwillige Helfer unterstützen die Allianz für Familien im Stadtteil. Dazu brauchen sie professionelle Koordination und Beratung, die sie bei den Kooperationspartnern des Familienzentrums finden. Die Arbeit mit Ehrenamtlichen ist eine wesentliche Säule der Arbeit der kath. Trägergruppe.

Durch spezielle Angebote für die Bewohner/innen des Viertels soll tätige Nachbarschaftshilfe initiiert und unterstützt werden. Außerdem sollen die Bewohner und Bewohnerinnen zur Partizipation an der Stadteilentwicklung motiviert werden.

Methoden:

Die beteiligten Träger bilden eine breite Palette von Methoden und Arbeitsansätzen ab. Diese Vielfalt kommt den Menschen im Quartier zugute:

  • Erwachsenen- und Familienbildung
  • Informationsveranstaltungen
  • Gemeinwesenarbeit
  • offene Angebote, Freizeit- und Kommunikationstreffs
  • sozialpädagogische Gruppenangebote
  • Spiel- und Freizeitpädagogik
  • Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppenberatung
  • therapeutische Angebote
  • Krisenintervention
  • Organisation von Selbsthilfegruppen
  • Beobachtungsverfahren zur Früherkennung
  • Bildungsdokumentation

Öffentlichkeitsarbeit

Eltern und Anwohner/innen werden über Flyer, Aushänge, Pressenotizen und im persönlichen Gespräch über die Angebote des Familienzentrums informiert.
Die Einheitlichkeit der unterschiedlichen Träger des Familienzentrums und damit der „Wiedererkennungswert“ wird durch ein gemeinsames Logo, gemeinsame Repräsentation nach Außen und ein gemeinsames Jahresthema für die Nutzer/innen verdeutlicht.

Leistungsentwicklung und Selbstevaluation 

Das Familienzentrum arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung seines Konzeptes und seiner Leistungen sowie der Qualität.
Die Steuerungsgruppe überprüft regelmäßig die Wirksamkeit der Angebote. Zur bedarfsgerechten Gestaltung der Ziele und deren Umsetzung wird im Jahr 2010 eine Eltern- und Anwohner/innenbefragung durchgeführt werden.